Murmeljagd

Ein Projekt zu einem Roman von Ulrich Becher

Peter von Tramin

Lieber Uli!
Verspätet, indes von Herzen, und als bescheidene Retourkutsch'n für Deine grossartige 'Murmeljagd'.
Tuissime, Peter
27/9'69

Juli Zeh

Buch des Jahres 2011 ist natürlich "Murmeljagd" (Schöffling, 2011) von Ulrich Becher. So was Brillantes habe ich seit Jahren nicht mehr gelesen.
Juli Zeh (Juristin und Schriftstellerin) auf die Frage der Süddeutschen Zeitung nach dem besten Buch des Jahres 2011.

5plus: Was müsste er lesen? (es geht darum, was ein Mann zB im Zug lesen müsste, um von Frau Zeh angesprochen zu werden.)
FRAU ZEH: (überlegt) Ada oder das Verlangen von Vladimir Nabokov wäre schon ein ziemlicher Hingucker. Bei Liebe in Ruinen oder Der Idiot des Südens von Walker Percy würde ich ihn auf einen Kaffee einladen, aus purer Begeisterung darüber, dass es real existierende Menschen gibt, die solche fast vergessenen Romane lesen. Und bei Ulrich Bechers Murmeljagd wären wir so gut wie verheiratet.
5p: Warum?
FRAU ZEH: Kennen Sie diese Magic-Eye-Bilder? Das sind Computergrafiken, die wie ein wirres Muster aussehen. Starrt man aber eine Weile darauf und schielt dabei ein bisschen, erscheint plötzlich ein dreidimensionales Bild. Kaum hat man es entdeckt, kann man die Augen entspannen und die Blicke frei darin herumspazieren lassen. Es ist eine Illusion, aber sie scheint Substanz zu besitzen. So sind Bücher wie Murmeljagd: Sie entwickeln Dreidimensionalität. Man liest nicht einfach nur linear von vorne nach hinten, sondern wandert in einem literarischen Kosmos herum. Dabei erlebt man ein Gefühl von Freiheit und Lust. Ein seltenes Glück.
5p: Hat das Buch Ihr Leben verändert?
FRAU ZEH: Beinahe. Beim Lesen habe ich mich immer wieder gefragt, ob ich das Schreiben nicht an den Nagel hängen sollte.
Wozu sich quälen, wenn derart Imposantes schon geschrieben wurde?
Juli Zeh in einem Interview zum Thema 'Bücher, die Ihr Leben verändern' des Magazins 5plus No 7 vom November 2012.

Sabine Schulz

Ein ungeheuerliches und lange verschüttet gebliebenes Buch, das ich gerade trotz notorischen Lesezeitmangels nach kurzer Zeit zum zweiten Mal lese. Gratulation dem Verlag zu dieser unbedingt notwendigen Wiederentdeckung.
Sabine Schulz, Leiterin des Lektorats im Verlag diaphanes, im literaturport.de in der Rubrik 'Leselampe' unter Buchempfehlung der Woche.

Eva Menasse